




Open Source - Die Rückkehr der Utopie?
von Christian F. Görlich und Ludger Humbert (03. Mar 2007)
Die hier getätigten Überlegungen wollen zunächst als Beitrag zur Selbstaufklärung der Open-Source-Bewegung verstanden werden. Unter Rückgriff auf eine differenzierende Begrifflichkeit und klassische Problemstellungen der Philosophie in ihrem besonderen Verhältnis zu den Einzelwissenschaften - hier insbesondere der Soziologie und Wissenschaftsgeschichte - sollen Fragehorizonte rekonstruiert werden, die Antworten erhoffen lassen, die dann in den Auseinandersetzungen um Open Source auch den Anspruch der Akteure auf die Mündigkeit zu stärken versprechen. Aus dem aufgewiesenen Fragehorizont wird in diesem Beitrag eine wissens- /wissenschaftssoziologische Problemstellung thematisiert, die Open Source als gesellschaftliches Subsystem in den Blick nimmt und im Anschluss an Merton (1972) über die leitenden Normen reflektiert. In einem Exkurs wird unter Bezug auf Hagstrom (1965) dem Ursprung der gegenwärtigen Diskussion um die Open-Source-Bewegung als einer Tauschgesellschaft nachgegangen. Abschließend wird mit Blick auf den Titel dieses Beitrages darüber räsoniert, welche Funktionen das Subsystem Open Source in Analogie zu ähnlichen Subsystemen, die sich um Kreativität formieren, für das gesellschaftliche Gesamtsystem wahrnehmen könnte. Es geht insbesondere auch darum, den Begriff einer "Informatischen Vernunft" zu etablieren und in seinem Verhältnis zur Allgemeinbildung zu bestimmen. Informatische Vernunft will nicht nur instrumentelle Kenntnis sein, Informatische Vernunft will in dem epochaltypischen Schlüsselbereich der "neuen technischen Steuerungs-, Informations- und Kommunikationsmedien" (Klafki 1991a, S. 59) den philosophischen Anspruch der Aufklärung wach halten.
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